Trauma – Wie können wir ein heilsames Umfeld schaffen?

Kaum ein Thema ist so sensibel, wie der Umgang mit traumatisierten Menschen. Gerade Frauen aus der Zwangsprostitution haben erfahrungsgemäß mit Trauma zu kämpfen. In ihrer Situation entstehen tiefe Wunden, die lange nicht heilen und Einschränkungen, die ein normales Leben fast unmöglich machen. Für uns als Projekt, aber auch für jegliche Person, die Kontakt mit Betroffenen hat, (Für den Kontakt mit traumatisierten Menschen…) ist besonders Verständnis und Wissen über die Thematik wichtig. Wie Trauma funktioniert und welche Auswirkungen es hat hilft uns als Außenstehende und Begleitende enorm um ein Umfeld zu schaffen, dass Heilung überhaupt erst möglich macht. Beispielsweise therapeutische Betreuung ist erst dann überhaupt realisierbar, wenn ein geschütztes Umfeld für die betroffene Person besteht. Verständnis erlangen und das helfende Umfeld schaffen sind demnach die primären Inhalte unserer Traumaschulung. Entwickelt und durchgeführt wird die Schulung von unserer Gründerin und Leiterin Alissa Ewert. Unsere Hoffnung ist es, besonders den Gemeinden ein Werkzeug an die Hand zu geben, um den Bedürfnissen von mit Trauma belasteten Menschen zu begegnen. Dennoch ist die Schulung auch auf andere Kontexte anwendbar. In unserem heutigen Blog wollen wir genau darin einen kleinen Einblick geben. Da das Thema sehr komplex ist, werden wir nicht alles im Detail beleuchten können.

Verständnis – Was ist Trauma?

Die Symptome einer Traumatisierung sind, besonders wenn der Background (Hintergrund) nicht bekannt ist, manchmal sehr schwer nachvollziehbar. Personen, die zuvor recht entspannt wirkten, werden beispielsweise vermeintlich grundlos panisch, laut oder ziehen sich aus einer Interaktion zurück. Nicht selten fehlen Betroffenen auch soziale Kompetenzen, was im sozialen Umfeld häufig auf Abneigung stößt. Um zu verstehen, weshalb solche Verhaltensweisen entstehen, ist es nötig zunächst den Vorgang eines Traumas selbst zu verstehen. Die deutschsprachige Gesellschaft für Psychotherapie definiert Trauma wie folgt: „ Der Begriff Trauma (griech.: Wunde) lässt sich bildhaft als eine „seelische Verletzung “ verstehen, zu der es bei einer Überforderung der psychischen Schutzmechanismen durch ein traumatisierendes Erlebnis kommen kann“ Das bedeutet, ein Trauma entsteht aus einem Erlebnis, welches so schrecklich war, dass die Person sich nicht schützen und somit das Gehirn es nicht verarbeiten konnte. Die Person kann weder fliehen, noch gegen ​das Erlebnis „kämpfen“, etwas tun, sodass nur die Ohnmacht (Freeze (Einfrieren), Flag (Erschlaffen) und/oder Fragment) bleibt. Der Vorgang, den das Gehirn mit Erlebnissen durchgeht, um diese zu vergangene Erinnerungen zu verarbeiten, wird gestört. So kommt es das das Ereignis zunächst, vereinfacht ausgedrückt, in dem Areal für „frische Erinnerungen“ hängen und gleichzeitig unsortiert sind. Wird das Ereignis im Nachhinein sortiert und im Gehirn integriert, kann die Person das Geschehene zusammenhängend wiedergeben, das Geschehene hat ein „Anfang, Mitte und Ende“, es kann räumlich einsortiert werden und der Sinnzusammenhang kann hergestellt werden. Häufig kann das kurz nach dem Geschehenem, in einem sicheren Umfeld von allein wieder „sortiert“ werden. Werden die Erinnerungen nicht integriert, kommt es zu Traumafolgestörungen. Hierzu gehören unter anderem die Posttraumatische Belastungsstörung, die gekennzeichnet ist durch erhöhte Erregung (Reizbarkeit, Konzentrationsstörungen, Schreckhaftigkeit), anhaltende Vermeidung von Reizen, die an das Trauma erinnern, Dissoziationen, ein erneutes Wiedererleben der Situation (Albträume, Flashbacks) uvm. Als Flashback wird bezeichnet, wenn das Trauma erneut mit allen Sinnen erlebt wird. Ein „Erinnern“ an die unverarbeitete Situation wird in der Regel durch einen „Trigger“ bzw. Auslöser ausgelöst. Ein Trigger kann beispielsweise ein Geruch sein, der in der Extremsituation wahrgenommen wurde und jetzt, vielleicht Jahre später, wieder gerochen wird und die Betroffenen in einen Flashback wirft. Diese Trigger können auch bestimmte Orte, Stimmen, Gestiken, Berührungen, Geräusche, Körperempfindungen und vieles mehr sein. Nicht selten werden Betroffene von wiederkehrenden Albträumen geplagt und erleben tagsüber wiederholt Flashbacks oder Dissoziationen. Es ist nicht schwer vorstellbar, dass ein solcher Zustand äußerst kraftraubend ist. Die Verarbeitung eines Traumas kann sich zudem über Jahre und Jahrzehnte hinweg ziehen. Nicht selten folgen Depressionen, Suchterkrankungen, Selbstverletzungen, Suizidalität, dauerhafte Erschöpfung und vieles mehr.

In Teil II wollen wir euch ein paar Tipps mitgeben, wie man ein heilsames Umfeld schaffen kann. ​