Trauma Teil 2/2 – Wie kann man ein heilsames Umfeld schaffen? Einige Tipps

Nachdem wir ein wenig besser verstehen können, welche Belastungen Menschen mit sich tragen, die ein traumatisches Erlebnis durchgemacht haben, möchten wir hier praktische Beispiele geben, wie jede/r Einzelne von uns Betroffene unterstützen und somit dazu beitragen kann, dass zum einen Traumafolgestörungen erst gar nicht entwickelt werden und zum anderen, dass betroffene Personen vorhandene Traumafolgestörungen besser bewältigen können.


Gesunde Beziehungen sind immer ein wichtiges Auffangnetz in schlimmen Momenten, umso wichtiger sind sie, nachdem eine Person ein traumatisches Erlebnis hatte. Ist das Trauma von Menschen ausgelöst worden (z.B. durch Vergewaltigung, Vernachlässigung o.ä.), dann ist es umso schwieriger neue Beziehungen aufzubauen. Als Außenstehende sollten wir Beziehungen anstreben, die beständig und verlässlich sind. Leere Versprechungen (wie z.B.: „Wir können ja mal telefonieren.“), die dann nicht umgesetzt werden, sind eher kontraproduktiv. Betroffene sind häufig in ihren grundlegenden Glaubenssätzen und Sicherheiten erschüttert worden und dadurch besonders sensibel.Beim Aufbau von Beziehungen sind daher Transparenz und Struktur wichtig. Dabei sollte versucht werden, jede Art von Überraschungen zu meiden, denn auch schöne oder gut gemeinte Überraschungen können die Betroffenen überfordern. Wenn ihr euch also etwas vornehmt, macht eine Uhrzeit aus und bleibt dabei. Falls etwas dazwischenkommt und es zu Änderungen kommt, muss dies deutlich kommuniziert werden. Auch die eigenen Grenzen dürfen und sollen liebevoll kommuniziert werden.


Außerdem ist es völlig in Ordnung, dass man von manchen Verhaltensweisen oder Reaktionen von Betroffenen irritiert ist. Dabei ist es gut zu wissen, dass Menschen mit Traumafolgestörungen in der Regel einen guten Grund dafür haben anders zu reagieren, als man es gewohnt ist. Aber man kann und darf vorurteilsfrei Fragen dazu stellen. Zum Beispiel kann eine plötzliche Umarmung zur Begrüßung bei einer Person mit Erfahrungen im Bereich des sexuellen Missbrauchs Ängste, Wut oder Scham auslösen – und nicht erwartete Verhaltensweisen bewirken.


Da die Betroffenen ihre eigene Geschichte am besten kennen, sollte man sie bei Unwissenheit im Umgang einfach fragen, was sie möchten/nicht möchten oder was sie selbst denken, was ihnen helfen würde. Möglicherweise kennen sie ihre Trigger und was ihnen hilft sich in Stresssituationen zu beruhigen.Hilfreich ist es zu fragen in welchen Bereichen sich der/die Betroffene überfordert fühlt – auch im Alltag. So können praktische Alltagshilfen, wie zum Beispiel die Begleitung zu Arztbesuchen, das Ausfüllen von Anträgen oder die Suche nach einem/r geeigneten Therapeuten/in enorm entlastend sein – vorausgesetzt der/die Betroffene möchte das.


Kommunikation ist enorm wichtig. Sofern der/die Betroffene reden möchte, sind Gesprächsangebote ein Geschenk. Dabei geht es nicht darum Betroffene auszufragen, sondern sie erzählen zu lassen, wenn sie das möchten. So können Flashbacks und Dissoziationen vermieden werden. Bei den Gesprächen dürft ihr auch eure eigenen Grenzen beachten und mitteilen, wenn ihr eine Pause braucht. Außerdem ist es schon ein guter Gegenpol zu all dem Schlimmen, was der/die Betroffene durchgemacht hat, wenn man einfach mal eine gute Zeit zusammen hat.


Gerade als Christen dürfen wir Betroffene in schwierigen Zeiten im Gebet tragen! Mithilfe unseres Glaubens können wir Betroffenen Mut zusprechen, da wir darauf vertrauen, dass Gott Hoffnung, neue Freude, tiefen Frieden, Heilung und Trost gibt. Wir können Betroffene darauf aufmerksam machen, dass sie vor Gott wertvoll sind, was ihnen nichts und niemand nehmen kann. Komplexe Themen wie die eigene Identität, der Selbstwert, Schuld- und Schamgefühle können gemeinsam vor Gott gebracht werden.


Am allerwichtigsten ist, die Betroffenen einfach anzunehmen, wie sie sind. Ein Raum, in dem sie einfach sein können wie sie sind, ist die beste Möglichkeit Wertschätzung zu vermitteln.Gerade wenn Betroffene im Umgang besonders schwierig sind, ist es oft am wichtigsten zu bleiben und sie nicht alleine zu lassen.