Sugarbabe – der glamouröse Einstieg

Sie ist jung und attraktiv, er ist alt und reich. Ein Mann, der seine besten Jahre hinter sich hat, führt eine junge Frau, die seine Tochter sein könnte, an seinem Arm in ein Hotel. Das Klischee, dass Reichtum attraktiv macht, ist nicht neu und schon oft genug thematisiert worden. Der „Sugardaddy“ ist jedoch für uns vom Team Schattentöchternicht nur ein manifestiertes Klischee. Die namhaften Internetseiten, auf denen junge Frauen an reiche Männer vermittelt werden, sind mittlerweile mehr als nur eine fragwürdige Form der Partnervermittlung. Sie sind eine neue und gesellschaftlich legitimierte Form der Prostitution.

Laut Brandon Wade, Inhaber von seekingarrangement.com, handelt es sich bei seiner Webseite um eine seriöse Partnervermittlung. In einem Interview mit dem SPIEGEL beschreibt er die Entstehung seines Geschäfts. In Anbetracht seiner Erfolgslosigkeit bei dem weiblichen Geschlecht hatte er sich irgendwann gefragt: „Warum ist es legitim, mit deinem Sixpack um ein Mädchen zu werben, aber nicht mit deinem Konto?“[1] Eine derartige Form der „Partnersuche“ soll Männern, die auf den ersten Blick keinerlei attraktiven Attribute außer ihrem Einkommen vorzuweisen haben, die Möglichkeit geben Frauen näher kennenzulernen. So wird anstelle eines perfekten Zahnpasta-Lächelns das neueste Auto im Profilbild gezeigt und anstelle einer guten Figur und eines ansprechenden Charakters wird das monatliche Gehalt angegeben.


Die Internetseite mysugardaddy.eu[2] – als weltweit größter Anbieter in diesem Bereich – präsentiert, diesem Prinzip entsprechend, vor der Anmeldung Profilbilder mit Texten, die von Traummännern, Stränden, Champagner und intellektueller Reife sprechen. Auf derselben Internetseite wird angegeben, dass die meisten „Sugarbabes“ zwischen 18 und 28 Jahren alt seien. Ein Sugardaddy erwarte zudem „eine liebevolle, attraktive und unkomplizierte Partnerin, mit der er Zeit verbringen kann“. Hierzu hat das deutsche Online-Medienangebot und Content-Netzwerk der ARD und des ZDF namens FUNK einen Erfahrungsbericht von einem ehemaligen Sugarbabe aufgenommen. Die dort präsentierte „liebevolle, attraktive und unkomplizierte Partnerin“ war 17 Jahre alt, als sie sich anmeldete. Mit ihren Kontakten führte sie allerdings keine romantischen Liebesbeziehungen, in der Champagner, Strände und intellektuelle Reife vorkamen. Stattdessen traf sie sich in Hotels mit zahlreichen Männern, die meist bereits verheiratet oder in einer Beziehung waren. Der Kostenbetrag lag bei etwa 300 Euro pro Treffen. Julia (aynonym) sagte, dass es sich bei dieser Art von Foren um Prostitution unter anderem Namen handle. Laut ihrer Aussage ginge es immer ausschließlich um Sex gegen Geld und nicht darum „ins Kino zu gehen“ oder eine „Beziehung aufzubauen“.[3]

Die „Beziehungen“ auf diesen Websites sollen eigentlich nicht mit direkter Vergütung durch Geldbeträge einhergehen. Stattdessen zeigen Sugardaddies ihre „Zuneigung“, indem sie Modekleidung, teuren Schmuck, die Miete, das Studium oder ein neues Auto für die jungen Frauen bezahlen. Dadurch, dass in diesen Fällen kein Geld über den Tisch gereicht wird, empfinden einige Frauen diese Partnerschaften nicht als Geschäft. In einem Interview mit DerWesten erklärt ein Sugarbabe: „Ein Job ist es auf gar keinen Fall. Das Wort Job hat was von Prostitution und damit will ich auf gar keinen Fall in Verbindung gebracht werden.“ Auf die Frage, wo der Unterschied zur Prostitution sei, antwortet sie allerdings: „Wenn ich das beruflich machen würde, dann hätte ich einen festgelegten Lohn: 200 Euro, dann ist die Sache durch. Und das ist es eben nicht. Natürlich geht man essen oder bekommt auch Geschenke. Es ist aber nicht immer so, dass man direkt bezahlt wird. Und das ist vom eigenen Selbstwertgefühl her was total Anderes.“[4] Wade sagt, ein Sugardaddy solle ein Sponsor, ein Mentor und ein Gentleman sein. Genau genommen bedeutet das in beiden Fällen aber, dass der einzige Unterschied zur Prostitution der ist, dass die Frauen indirekte Vergütung bekommen und mehr Zeit mit den Männern verbringen, wodurch sie mit einem höheren Selbstwertgefühl aus dem Geschäft herausgehen können.

In diesem Sinne sei es dahingestellt, ob Julias Geschichte die Ausnahme darstellt. Es bleibt dabei, dass die Grundidee, eine junge Frau mit finanziellen Mittel an sich zu binden, nicht einer gesunden Beziehung sondern einer geschäftlichen Vereinbarung entspricht. Wohlgemerkt in einem ungeschütztem Rahmen, wo u.a. die einzige Bestätigung für die (angebliche) Volljährigkeit einer Frau durch einen Mausklick garantiert wird.


[1] Kolosowa, Wlada (2012): „Reicher Mann sucht schönes Mädchen für gemeinsame Stunden“; SPIEGEL: Sugardaddy-Plattform: Auf seekingarrangement.com trifft Geld auf Liebe – DER SPIEGEL (letzter Zugriff: 18.03.21)

[2]SDC Ventures Sugardaddy Fragen (mysugardaddy.eu) (letzter Zugriff 18.03.21)

[3] FUNK(2020)  : Ich habe mich mit 17 selbst prostituiert! (funk.net) (letzter Zugriff: 18.03.21)

[4] von Polier, Jürgen (2017):  „Erfolg macht einen Mann attraktiv“: „Sugar Baby“ (22) aus Bochum erzählt, warum sie deutlich ältere Männer trifft“ DerWesten: Beziehung oder Prostitution? Interview mit einem Sugar Baby – derwesten.de (letzter Zugriff: 18.03.21)