Nigerianischer Menschenhandel zum Zweck sexueller Ausbeutung

Wie schon im letzten Blog folgt heute ein kleiner Einblick in einen weiteren Vortrag aus der Reihe „Wa(h)re Mensch“. Einer der Schwerpunkte war der nigerianische Menschenhandel. Die Vorsitzende des SOLWODI Deutschland e.V., Frau Dr. Maria Decker, gab uns einen umfassenden Einblick in die Umstände und Einstiegsgründe der Frauen aus Nigeria. Zum Abschluss stellte sie auch das sogenannte „nordische Modell“ vor, das – nach Einschätzung von SOLWODI – eines der besten derzeitigen Lösungsansätze für das Problem des Menschenhandels zum Zweck sexueller Ausbeutung in Deutschland darstellt.

Der größte Teil der Frauen, denen SOLWODI im Bereich des Menschenhandels begegnet, gehört zur Ethnie der Nigerianerinnen. Frau Dr. Decker erwähnte im gleichen Atemzug, dass das BKA jährlich etwa 400 Fälle von Menschenhandel, größtenteils zum Zweck sexueller Ausbeutung, verzeichnet. SOLWODI alleine begegnet etwa 300-400 Frauen im Jahr, die aus dem Menschenhandel zum Zweck sexueller Ausbeutung kommen oder bei denen ein solcher Verdacht besteht – und SOLWODI ist nicht die einzige Anlaufstelle für derartige Opfer in Deutschland! Damit bestätigt sich, wie so oft, dass die Dunkelziffer solcher Fälle wesentlich höher ist!

In Frau Dr. Deckers Vortrag wird schnell klar, dass in dem nigerianischen Menschenhandel einige kulturelle Umstände sowie ein teilweise schlecht aufgestelltes Bildungssystem eine große Rolle spielen.

Auch wenn die Frauen sich – scheinbar freiwillig – darauf einlassen, in einem europäischen Land der Prostitution nachzugehen, sind sie sich häufig der Konsequenzen ihrer Entscheidung nicht vollständig bewusst. Ihnen wird ein besseres Leben in einem angenehmen „Arbeitsumfeld“ versprochen. Erst zu spät wird klar, dass sie in einem Umfeld mit zahlreichen Menschenrechtsverletzungen wie Einsperrung, Vergewaltigung und Folter geraten. Nicht selten müssen sie Schuldpapiere für die Reisekosten unterschreiben, die bei 50.000 Euro (oder höher) liegen können. Eine solche Summe in die nigerianische Währung umzurechnen ist den meisten Frauen aufgrund ihres geringen Bildungsniveaus überhaupt nicht möglich. Sie haben überhaupt keine Vorstellung davon, welche Verpflichtungen sie damit eingehen.  

Zudem herrscht in ihrer Heimat ein weit verbreiteter Voodoo-Glaube, der tief in den Wurzeln Nigerias verankert ist. Durch ein religiöses Ritual, dem sog. Juju-Ritual, wird den Frauen der Schwur abgenommen, ihren Schleusern alles „geschuldete“ Geld zurückzuzahlen. Sollten die Frauen ihr Versprechen brechen, würde nach diesem Glauben ein Fluch über sie kommen. In unserer westlichen Welt scheint das surreal, aber für diese Frauen ist das greifbare Realität. Sie werden damit an ihre Täter gebunden und massiv unter Druck gesetzt.

Was hält die Frauen davon ab auszusteigen?

Die Angst vor Abschiebung und neuen Gewalterfahrungen sind – neben Schulden und religiösem Glauben – einige der wichtigsten Faktoren, weshalb die Frauen sich nicht an die Polizei oder Außenstehende wenden um Hilfe zu suchen.

Es ist schwierig bis fast unmöglich, für Nigerianerinnen einen Aufenthaltstitel in Deutschland zu bekommen. Sie sind meist illegal eingewandert und sind keine EU-Bürgerinnen. Ihre einzige Möglichkeit wäre es, über einen Asylantrag eine Aufenthaltsgenehmigung zu erlangen. Diese bekommen sie jedoch nur in den seltensten Fällen zugesprochen.

Wenn die Frauen bereit sind auszusagen, besteht die Möglichkeit, für die Laufzeit des Verfahrens einen Aufenthalt zu erhalten, der jedoch anschließend erlischt. Deshalb müssen Nigerianerinnen damit rechnen zurückgeschickt zu werden und damit wieder in den Armen ihrer Täter zu landen. „Das ist in der praktischen Arbeit ein riesiges Problem“, betont Frau Decker.

Der Lösungsansatz

Auf die Frage „Was kann man tun?“ gibt Frau Dr. Decker eine klare Antwort: „Dem Menschenhandel muss der Boden entzogen werden“. Hinter dem Menschenhandel stünden oft gut organisierte kriminelle Organisationen, die hier in Deutschland ihren Markt fänden. Sie sieht die effektivste Lösung in dem nordischen Modell.

Was kann ich tun?

Rede darüber!

Je mehr Menschen den Mut haben, sich zu öffnen und darüber zu reden, desto mehr wird sich ändern!

Geh demonstrieren!

Beispielsweise am 16. Oktober 2021 beim Walk For Freedom

Schau nicht weg, sondern schau genauer hin!

Wenn du den Verdacht hast, dass jemand zu etwas gezwungen wird, dann leite die Person an entsprechende Organisationen weiter!

Unterstütze Hilfsorganisationen!

Indem du spendest oder ehrenamtlich mitarbeitest!