Leben in der Prostitution – immer zumutbar?

Nachdem wir uns in den letzten Blogeinträgen mit den häufigsten Einstiegsformen in die Prostitution beschäftigt haben, soll es in der nächsten Blogreihe um das Thema „Arbeitsbedingungen“ der Frauen gehen.

Die häufig gestellte Frage, ob und in welchem Ausmaß Gewalt, Ausbeutung und Erniedrigung tatsächlich den Alltag einer durchschnittlichen Prostituierten bestimmen, sorgt immer wieder für hitzige Debatten in den unterschiedlichsten Kreisen. Häufig werden diese Diskussionen von extremen Gegnern auf der einen und radikalen Befürwortern auf der anderen Seite geführt. Das Sexkaufverbot im Sinne des nordischen Modells, das wir bereits in einem früheren Blog beleuchtet haben, kommt bei solchen Gelegenheiten häufig zur Sprache. Tatsächlich stimmen beide Parteien meist darin überein, dass Zwangsprostitution ein reales Problem in Deutschland darstellt. So findet beispielsweise die konträre Diskussionsgruppe der ZDF-heute Show mit dem Titel „Sex gegen Geld: Sollten wir Prostitution verbieten?“[1] lediglich den einzigen gemeinsamen Nenner, dass Zwangsprostitution ein existentes Problem darstellt. Allerdings wird nicht nur die Lösung der Problematik, sondern schon der Begriff der Zwangsprostitution an sich sehr unterschiedlich definiert und bewertet.

In unserer nächsten Blogreihe soll es nicht primär um den Umgang mit dem Problem der Zwangsprostitution, sondern ganz allgemein um typische Zustände in der alltäglichen Prostitution gehen. Unter anderem geht es um die Frage: Was ist Zwang? Kann man davon ausgehen, dass die große Mehrheit der Personen unter Zwang oder auf unfreiwilliger Basis in der Prostitution „arbeiten“ müssen? Wie alltäglich sind schlechte Bedingungen und Gewalt in der Prostitutionsszene? Wir als Schattentöchter sehen regelmäßig, wie Frauen wegen unhaltbarer Arbeitszeiten leiden müssen: Wir sehen, wie sie gezwungen werden, ihren Körper zu jeder Zeit, unabhängig vom eigenen Empfinden, zur Verfügung zu stellen und dass sie permanent erniedrigende und menschenverachtende Fantasien von Freiern erfüllen müssen – um nur einige Beispiele zu nennen. Im Laufe unserer Arbeit mit Frauen im Rotlichtmilieu haben wir leider festgestellt, dass diese und andere grausamen Zustände nicht die Ausnahme sind. Sie sind die Regel – Hier. Heute. Überall in Deutschland. 

In unserer neuen Reihe wollen wir auf genau diese Zustände hinweisen und die Ursachen der jeweiligen Probleme betrachten. Folgt uns auf dem Weg, die Realität des deutschen Rotlichtmilieus aufzuzeigen und so in die Wahrnehmung der Menschen zu bringen.  


[1] Sex gegen Geld: Sollten wir Prostitution verbieten? I 13 Fragen – YouTube (vgl. 34:06 min, letzter Zugriff: 12.04.21)