Einstieg in die Prostitution – immer freiwillig?

Einfach zu einer Beratungsstelle gehen, absichern, selbstständig machen und dann viel Geld verdienen. Wenn an Prostitution gedacht wird, kommen nicht selten zwei Bilder hoch: Die reiche selbstbestimmte Frau, die weiß wie man mit Männern umgeht und das arme Kind der dritten Welt, dass von den Eltern aus der Armut heraus verkauft wurde. Aber was liegt dazwischen? Die Preise für eine Nacht mit einer Prostituierten sinken stetig. Die Armutsprostitution in Deutschland steigt. 

Es wird gesagt, dass die Prostitution ein Gewerbe sei, in welchem man gut seinen Unterhalt verdienen könne1. Nicht selten wird ein recht wohlhabender Lebensstandard propagiert, wie beispielsweise in der Serie „Secret Diary of a Callgirl“. Die Hauptdarstellerin verkörpert darin das Leben einer Edelprostituierten und propagiert einen luxuriösen Lebensstil und eine Arbeit, die ihre Liebe zu Sex befriedigt. Menschenrechtsexperte Thomas Schirrmacher sowie Filmemacherin Rita Knobel-Ulrich sprechen allerdings von drastischeren und realistischeren Arbeitsbedingungen in denen Frauen bis zu 30 mal am Tag Sex haben müssen2 nur „um die Miete zu bezahlen“. Ein Zustand der den Alltag einer Prostituierten besser beschreibt.

Auch wenn die letzteren Arbeitsbedingungen nicht der Norm entsprechen sollten, so lässt sich doch vermuten, dass eine Frau, die Aussichten auf eine Karriere und/oder ein gut finanziertes Familienleben hat, Prostitution wahrscheinlich nicht als erste Berufswahl angeben würde. Ganz zu schweigen von anderen Risiken wie Geschlechtskrankheiten. Aber warum arbeiten dann schätzungsweise 400 000 Frauen Deutschlandweit als Prostituierte? Hinter solch einer Berufsentscheidung scheinen tiefere Motivationen, oder sogar Zwänge, zu stecken. Uns jedenfalls sind in dem gängigen Rotlichtmilieu kaum Frauen begegnet die überhaupt eine regelmäßige ärztliche Versorgung haben, geschweige denn bei einer Beratungsstelle waren, bevor sie begonnen haben in einem Bordell zu arbeiten. 

Ein kleiner Perspektivwechsel: 

Kaum eine Mutter würde sich wohl freuen, wenn ihr Kind verlauten würde Prostitution sei sein neuer „Berufswunsch“. Vor allem, wenn das Kind noch nicht erwachsen wäre. 

Umso überraschender ist der auffallend junge Trend, wenn es um Opfer von sexueller Gewalt geht. Im Jahr 2018 waren laut BKA fast die Hälfte aller gemeldeten Opfer in Deutschland unter 21 Jahre alt3

Aus Erfahrung wissen wir, dass die Hürde überhaupt zur Polizei zu gehen unter solchen Umständen sehr groß ist. Die wenigsten Frauen aus der Zwangsprostitution trauen sich die Täter anzuzeigen. Scham, Manipulation, Drohungen und Trauma, aber auch aufenthaltsrechtliche Gründe, stehen ihnen häufig im Weg. Zudem ähneln sich oftmals die Geschichten der Frauen. Meist in jungen Jahren durch Betrugsmaschen gelockt oder durch perfide Methoden und Manipulation gezwungen wurden sie in die Prostitution gedrängt. Da sie aber keine Anzeige erstatten, werden ihre Daten nicht in die offiziellen Statistiken aufgenommen. Eine Dunkelziffer entsteht und die Täter kommen ungestraft davon.

 Laut dem BKA handelt es sich um eine „sehr hohe“4 Dunkelziffer. Kombiniert mit den schätzungsweise 95 %5 der Frauen, die sich nur aus einem Zwang oder einer Not heraus in der Prostitution befinden ergibt sich ein Bild.

Es wird klar: Die Opfer von Zwangsprostitution sind nicht nur jung, sondern auch besorgniserregend zahlreich.

In unserer neuen Blogreihe: „Einstieg in die Prostitution – immer freiwillig?“ wollen wir die gängigsten Methoden aufweisen, mit welchen junge Frauen in die Prostitution gedrängt und gehalten werden. Unser erster Beitrag über die „Loverboymethode“ wird in der kommenden Woche veröffentlicht. Dort erklären wir was die Loverboymethode ist und wie es den Zuhältern gelingt mit eben dieser Methode Frauen aus jeglichem Bildungsstand und Herkunftsland zu manipulieren und sie durch eine emotionale Abhängigkeit in die Prostitution zu zwingen. 

1 Senatssitzung des Deutschen Bundestags 2016 https://dipbt.bundestag.de/dip21/btp/18/18173.pdf

2 vgl. https://rp-online.de/panorama/fernsehen/30-freier-am-tag_aid-14480523

3https://www.bka.de/SharedDocs/Downloads/DE/Publikationen/JahresberichteUndLagebilder/Menschenhandel/menschenhandelBundeslagebild2018.html?nn=27956 (siehe Seite 9)

4 vgl. Prostitution: Geschäft mit der Liebe in der Krise – WELT und Buch von Thomas Schirrmacher: „Menschenhandel – Die Rückkehr der Sklaverei“ (siehe Seite 65)

5 Bundeslagebild Menschenhandel 2019, siehe Seite 34 https://www.bka.de/SharedDocs/Downloads/DE/Publikationen/JahresberichteUndLagebilder/Menschenhandel/menschenhandelBundeslagebild2019.html?nn=27956

(zuletzt zugegriffen: 09.02.2021)