Die Loverboymethode – der dritte Vortrag von Wa(h)re Mensch

Erika Herdt, Vorsitzende von Leben in Freiheit e.V., hat uns in dem letzten Vortrag der Reihe „Wa(h)re Mensch“ einen Einblick in die sogenannte Loverboy-Methode gegeben. Sie ist ebenfalls Multiplikatorin von „Liebe ohne Zwang“[1], einem Präventionsprogramm, das unter anderem Kurse zum Thema Loverboy an Schulen anbietet. Darin engagiert sie sich, weil Aufklärungsarbeit bei jungen Mädchen ein wichtiger Schutzfaktor ist.

Was ist die Loverboy-Methode?

Frau Herdt erklärt zunächst: „Loverboys sind Menschenhändler und Zuhälter.“ Ein Loverboy sei ein junger Mann, der eine Liebesbeziehung zu einem meist jüngeren Mädchen vortäusche, um sie später in die Prostitution zu locken bzw. zu zwingen.

Im Laufe des Vortrags von Frau Herdt wird immer klarer, wie brisant und wichtig das Thema ist. „Die Loverboy-Methode ist eine aktuelle Methode, die nicht nur unsere Zeit, sondern auch unser Land betrifft.“ Mädchen, die schon ab einem Alter von 11 Jahren betroffen sein können, gerieten bei dieser Methode sowohl unter hohen emotionalen als auch physischen Druck.

Das geschehe unabhängig von ihrer sozialen Schicht und ihrem Bildungsgrad. Sie würden in eine emotional-abhängige Beziehung. „Auch Jungen kann es betreffen“, berichtet Frau Herdt. Meist würden Unsicherheiten, schwierige Lebenslagen und Probleme im sozialen Umfeld der Opfer ausgenutzt.

Wie funktioniert die Methode?

Über Internetseiten oder in einem Café kennengelernt spiele der junge Mann zunächst den Traumprinzen. Zu Beginn mache er dem jungen Mädchen Geschenke, sei zuvorkommend und sorge dafür, dass sie sich wohl fühlt. Er suche aber auch sehr früh sexuellen Kontakt. „Verläuft diese Phase wie geplant, ist das Mädchen zunächst glücklich und ahnungslos. Wenn sie keinen Sex will, wird sie vergewaltigt und erpresst.“ Häufig beginne an diesem Punkt die Wende und der Loverboy täusche finanzielle Probleme vor, aus denen das Opfer ihn nur in Form von Prostitution retten könne. Gleichzeitig spräche er aber auch von einer gemeinsamen Zukunft und binde sie emotional an sich. „Zuckerbrot und Peitsche“ beschreibt Frau Herdt dieses Verhalten.

„Er zwingt sie mit bis zu 15 Männern am Tag Sex zu haben und abends kauft er ihr eine Pizza und sagt ihr, wie sehr er sie liebt“

Parallel dazu trennt er sie immer mehr von ihrem gewohnten Umfeld und macht sie sich zu eigen.

Was kann ich tun?

Ruhe bewahren

Am besten kann man sich an eine Fachberatungsstelle wenden. Wenn möglich, sollten Notizen von Verletzungen oder ähnlichem, sowie Chatverläufe dokumentiert werden.

Beziehung aufbauen

Für die Opfer ist es wichtig, dass sie eine vertrauensvolle Umgebung haben und Annahme ohne Verurteilung finden. Dabei sei es wichtig, die Ablehnung des Verhaltens von der Person selbst bewusst trennen: „Das, was du machst, finde ich nicht gut, aber ich liebe dich genauso.“ ist ein Satz, den ein betroffener Vater weitergegeben hat. Wichtig sind Zeit für Gespräche, Zuhören, Ermutigung und Loben. Gegebenenfalls sollte die Polizei (nur mit Einverständnis der Betroffenen!) eingeschaltet werden.

Anlaufstellen für Familien und Betroffene:

Für Eltern von Betroffenen: 

http://www.die-elterninitiative.de/wp/?page_id=2/ (Flyer) 

Für Betroffene: 

https://dortmunder-mitternachtsmission.assisto.online/ (anonyme Online-Beratung) 


Weiterführende Informationen:

ARD „Verliebt – Verführt – Verkauft“ https://www.youtube.com/watch?v=E9CK57mNsPM

Der Film „Ich gehöre ihm“ https://www.youtube.com/watch?v=NGa7dUZ3_Cs

Spiegel Online Artikel „Morgens Mathe Mittags Hure“ https://www.spiegel.de/spiegel/a-704727.html

Ein aufklärendes Video von „Liebe ohne Zwang“: https://www.youtube.com/watch?v=E20HS68y3Zs



[1] Mehr Infos dazu unter: https://liebe-ohne-zwang.de/