Das Leben in der Prostitution –

das Frauenbild

Die folgenden Zitate stammen aus unserem Arbeitsalltag mit den Frauen. Wir möchten die Leser vorwarnen, da der Inhalt dieser und anderer Zitate teilweise nicht jugendfrei ist und Gewalttaten beschreibt. Im Laufe dieses Blogs werden ebenso Zitate aus Freier-Foren gezeigt, die frauenverachtenden Inhalts sind und Vergewaltigungen detailliert aufgreifen, da Vergewaltigungsszenarien einen großen Bestandteil derartiger Foren darstellen.


 „Ich hasse die Männer“

Wir beobachten immer wieder, wie Frauen aus dem Rotlichtmilieu eine grundlegende und tiefe Skepsis bis hin zu größter Angst oder Wut gegenüber Männern hegen. Es ist die große Mehrheit der Frauen, denen wir begegnen, die sich nach dem Leben in der Prostitution traumatisiert, gebrochen, desillusioniert und orientierungslos wiederfinden. Und dies vermehrt in direkter Verbindung zu Männern.

In unserem heutigen Blogeintrag wollen wir auf Erfahrungen von Prostituierten zurückgreifen und mithilfe einiger Aussagen von Freiern herausarbeiten wie Freier mit Frauen in der Prostitution umgehen. Aufgrund dessen ergibt sich ein Frauenbild, dass sich durch das Rotlichtmilieu zieht, die Freier prägt und das Leben der Prostituierten bestimmt. Als Resultat dieses Bildes sehen wir als Schattentöchter die Wurzel von Gewalt in dem Milieu. Zudem nehmen wir auch einen generellen negativen Einfluss auf unsere Gesellschaft wahr.


Eine Frau sagte uns: „Ich bin keine Person für sie“

Wenn ein Mann eine Frau kauft, ist sie dann sein Eigentum? „Natürlich nicht! So kann man das doch nicht sagen!“, wäre wohl die Reaktion einer Frauenrechtlerin, die sich für die Prostitution ausspricht. Aber was bringen wir unseren jungen Männern eigentlich bei? Was, wenn einem Mann immer wieder gesagt wird: „Das ist der Preis. Das ist die Zeit. Jetzt darfst du machen was du willst.“, als wäre es das normalste der Welt den Körper einer Frau zu kaufen? Eine Frau wird zu einer Ware deklariert, die nach Belieben genutzt werden kann. Ist der Preis zu hoch wird gefeilscht. Macht sie nicht mit wie es sein soll, wird sie zum Zuhälter geschickt und kommt gefügig wieder. Schließlich hat der Kunde ja bezahlt. Oder er bekommt als Entschädigung vielleicht zwei Frauen für den Preis von einer. Geschäft ist schließlich Geschäft.

„Ist eine Hure nur Fickfleisch oder muss man Respekt zeigen? Ich habe mich gefragt, ob es eventuell nur wenige so handhaben wie ich oder ob es die Regel darstellt. Für mich ist eine Hure schlichtweg ein Stück, dass mich zu befriedigen hat. Ich habe dafür bezahlt und habe somit meinen Teil geleistet. Mir fällt auf, dass gerade Hobbyhuren immer quengeliger und anstrengender werden, gleichzeitig aber mehr Kohle wollen. Ist euch das auch schon so in den Sinn gekommen?“ – AO Hurenforum, 01.03.2013


Eine Frau sagte uns: „Sie wollen nur ficken, ficken, ficken, da ist keine Liebe“

Grobe sexuelle Befriedigungen bis hin zu Vergewaltigungen sind die Regel. Einige Menschen hängen noch der Annahme nach, dass nur die Männer zu Freiern werden, die anderweitig keine Zuneigung und keine Sexualität leben können. Was soll so schlimm daran sein für Zärtlichkeit und einen Liebesdienst zu bezahlen? In der Realität sieht es allerdings anders aus. Hierfür muss klargestellt werden, dass der Grund einer Vergewaltigung generell kein sexueller Notstand, sondern eine Form der Machtausübung ist. Aber selbst, wenn die Vergewaltigungen, die in der Prostitutionsszene zum Alltag gehören, einen Moment außenvor gelassen werden, handelt es sich immer noch um nichts anderes als „men masturbating in womens bodies.“[1] (Männer die in die Körper von Frauen onanieren) wie Kasja Walberg, nationale schwedische Berichterstatterin und Kriminalinspektorin, es passend formuliert.

Ein Freier schreibt: „Hab sie vor Wut durchgehämmert. Ihr Jammern störte mich dann nicht weiter.“ – Sachsen Forum, Bordell in Halle, 30.09.2016

Ein anderer Freier berichtet: „Hab sie gefickt bis ich kam und danach einfach weitergemacht, bis die Lustlosigkeit bei ihr schon fast Abscheu war… Blaue Flecken hatte sie schon ein paar. Vielleicht war der letzte Freier vor mir nicht so nett zu ihr.“ – Sachsen Forum, Terminwohnung Mansfeld, 10.10.2014

Ein Blick auf all diese Beispiele und Zitate wirft schnell die Frage auf, ob Frauen in der Prostitution einfach nur ein Opfer des schlechten Rufs ihrer „Arbeit“ sind. Würde eine Prostituierte eine respektvolle Atmosphäre mit ihrem Freier schaffen, hätte sie wohl keine Probleme mehr.

Das Problem ist allerdings nicht, dass die Frauen ihren Wert nicht beweisen können, sondern dass bei dem Kauf einer Frau ihr Wert in der Form eines Preises festgelegt wird. Es ist keine Frage der Profilierung, sondern des Konzeptes der Prostitution selbst. Ein Preis entwertet den Körper, die Sexualität und die Seele einer Frau. Schlussendlich muss sich unsere Gesellschaft dann nicht wundern, wenn unsere Männer beginnen in den Schemata zu denken, dass wir ihnen bieten. Sexualität ist in der Prostitutionsszene so einseitig wie sonst nirgends. Ein Freier bezahlt nicht rein nur um Sex zu haben, sondern um Sex zu haben, ohne die Bedürfnisse der Frau beachten zu müssen. Dieses Mindset ist zutiefst verleitend dazu eine Frau zu verachten und Grundvoraussetzung für Demütigungen und Gewalt. Und Gewalt ist Teil der Prostitutionsszene. Nicht jeder Freier muss gewalttätig sein, um Gewalt an der Tagesordnung für jede der dort tätigen Frau zu haben.

Wir haben es zugelassen den Körper einer Frau zu einer wirtschaftlich beeinflussten und preislich definierten Ware zu machen. Als Resultat begegnen wir Menschenhandel zum Zweck sexueller Ausbeutung fast ausschließlich in der Prostitutionsszene.[2]  Händler, egal ob Menschenhändler oder legale Geschäftsmänner, werden immer an den Orten zu finden sein, wo die Nachfrage auf das lieferbare Angebot trifft. In Deutschland haben wir die Nachfrage legalisiert und das Angebot wird uns regelmäßig geliefert – aber woher und unter welchem Preis?

In unserer Arbeit sehen wir immer wieder, wie sehr es die Frauen berührt, wenn wir mit ernsthaftem Interesse an ihrer Person und Situation an sie herantreten. Ein ehrliches Lächeln und ein echtes „Wie geht es dir?“ wird zu einem kostbaren Schatz. Eine Frau sagte zu uns: „Ihr seid die ersten Menschen in Deutschland die mich wie eine echte Frau sehen und mich gut behandeln.“ Wir sollten nicht vergessen wie wertvoll jede dieser Frauen ist und wie bedeutungsschwer die Auswirkungen der Prostitution sein können.


[1] Kasja Walberg, nationale schwedische Berichterstatterin und Kriminalinspektorin über das nordische Modell im Gespräch mit ExodusCry zur Reportage „Nefarious“

[2]BKA – Menschenhandel (letzter Zugriff: 06.05.21)